Auch wenn es mit den geplanten Auftritten der Neckarions in München dann doch nicht geklappt hat, hat es geklappt, HELGE GUMPERT, dem Drummer der Stuttgarter Punk Band, ein paar Fragen zu stellen. Bereits während des Bookingkontakts für die Auftritte in München, wurde mir klar, dass hier wieder ein Schlagzeuger ist, der auch mal ins Rampenlicht gebracht werden sollte, bevor er sich dann wieder Hinten im Dunklen versteckt.

Und genau DAS war dann auch ein Teil seiner Antwort auf meine Frage, was es für ihn bedeute, hinter den Drums zu sitzen. Er halte so die Band von Hinten zusammen, ohne selbst so richtig sichtbar zu sein. Aber natürlich bedeute es auch ALLES GEBEN, Schwitzen, Erregung, Aufregung, Enttäuschungen und Höhenflüge, und immer sei es anders. Angefangen habe es, als er ein Schlagzeug aus den 60zigern geschenkt bekam, und dann mit 16 in die erste Band eingestiegen sei. Seitdem sei er, abgesehen von kleinen Unterbrechungen, immer musikalisch aktiv gewesen. Er habe nie geübt, sein Spiel entstehe immer im Bandkontext und es “ fühlt sich ganz natürlich an, wie eine natürliche Verlängerung von mir. Ich spiele nach Gefühl, kann keine Schlagzeugnoten lesen und war nie in einer Musikschule.“

Ende der 2010er Jahre, nach der Auflösung einer intensiv tourenden Band, habe es sich nach 6 Monaten ohne Band, leer angefühlt und er habe nach MusikerInnen für eine Band gesucht. 2019 seien daraus die NECKARIONS und UNBITE entstanden.

In einer Nachricht, während unserer Korrespondenz, fiel mir der Begriff „ewige Nachwuchsband“ , also habe ich nachgefragt, was er damit gemeint hat. Helge erklärte mir, dass er seit 25 Jahren zu alt sei, um in einer “ Nachwuchsband“ zu spielen, was er damit meinte war, dass er in allen bisherigen Bands immer wieder von vorne anfängt und angefangen hat. Er meinte damit mehr die Einstellung der Band: “ Wir sind immer noch hungrig auf Alles und nicht selbstzufrieden.“

Die Bands, in welchen er gespielt hat, waren äusserlich nie erkennbar Punk Bands, mit Iro, Nieten oder anderen Punkattributen, es sei immer die innere Einstellung gewesen, welche „Punk“ war und ist: „‚Mach es selbst, so gut Du kannst und bleib möglichst unabhängig“ . Punksein, sei für ihn auch eine Lebenseinstellung, und mehr als Outfit und Musik. Es gehe darum “ Fragen zu stellen, selbst zu denken und nicht Alles hinzunehmen. Solidarisch und laut zu sein, wenn man laut sein muss“ . Punksein sei kein Job, weder in Voll-noch in (Lifestyle?)Teilzeit, eben eine ganzheitliche Einstellung zum Leben.

Ein Bisschen Teilzeit gibts dann doch in Helges Lebensweise, er habe schon immer Teilzeit in einem Weltladen gearbeitet, um sich noch ehrenamtlich für seine Überzeugungen engagieren zu können, „weil ich nicht nur REDEN, sondern MACHEN will. Getreu dem Motto: Machen ist wie Wollen, nur krasser!“ Deshalb engagiert er sich bei “ KEIN BOCK AUF NAZIS“, in der “ SOLIDARISCHEN LANDWIRTSCHAFT“ und betreibt einen “ FOOD SHARING FAIRTEILER“. Damit könne er sich, ohne Parteipolitik gegen Rechts einsetzen, gesund und regional ernähren, gegen Lebensmittelverschwendung angehen und einer sinnhaften Tätigkeit im Weltladen nachgehen. Für mich klingt das Alles nach sehr Viel, da Helge auch noch das Booking für die Band macht, über Welches dieser Kontakt ja erst zum Stande kam. Wie er das Alles schafft? Wenn es Einem wichtig ist, dann kann man Vieles schaffen, und er brauche diese Lebensweise, meint er leichthin.

Seine Botschaft an die Welt?

„Passt aufeinander auf, mischt Euch ein und kümmert Euch nicht nur um Euch selbst. Seid politisch und benehmt Euch nicht wie Arschlöcher!““

Tja, Helge, da kann ich mich nur anschließen. Vielen Dank für Deine Bereitschaft, die Einblicke in Dein Leben, Dein Engagement in vielen Bereichen und für die NECKARIONS!!!!! Wer sie noch nicht kennt, sollte spätestens jetzt mal reinhören!!!

Bild : KALLE STILLE